Die österreichische Mikroelektronikbranche erlebt derzeit ein signifikantes Wachstum, das die Nachfrage nach qualifiziertem Personal stark erhöht. Um die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, plant Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) die Schaffung neuer Ausbildungswege. Ziel ist es, in jeder Schlüsseltechnologie, einschließlich der Halbleiter, mindestens einen neuen Lehrberuf zu etablieren und die Durchlässigkeit zwischen Fachkräften und Akademikern zu verbessern.

Bestehende Lehrberufe in der Elektrotechnik und Fahrzeugtechnik sollen zudem um Schwerpunkte in der Mikroelektronik erweitert werden. Im Zentrum dieser Entwicklung steht die zunehmende Automatisierung der Produktion, wie Sabine Herlitschka, Vorstandsvorsitzende von Infineon Technologies Austria, erläuterte. Sie schlug den neuen Beruf des „Robotertrainers“ vor, dessen Aufgabe darin besteht, Industrieroboter zu trainieren und automatisierte Abläufe sowie Produktionsdaten zu optimieren.

Die wirtschaftliche Bedeutung der Branche unterstreichen die aktuellen Kennzahlen: Rund 300 Unternehmen beschäftigen knapp 75.000 Mitarbeiter und erwirtschaften einen jährlichen Produktionswert von über 24 Milliarden Euro. Herlitschka betonte, dass technologische Exzellenz allein nicht genüge, sondern die Verfügbarkeit von Kompetenzen und die Geschwindigkeit der Rahmenbedingungen entscheidende Standortfaktoren seien. Dies zeigt sich beispielhaft bei AT&S, wo traditionelle Leiterplattenfertigung und hochspezialisierte IC-Substratproduktion in Reinraumbedingungen aufeinandertreffen.

Neben der Erstausbildung rückt die kontinuierliche Weiterbildung, insbesondere im Bereich der künstlichen Intelligenz, in den Fokus. Herlitschka warnte davor, potenzielle neue Geschäftsprozesse und Produktentwicklungen durch KI zu übersehen. Die geplante Ausbildungsoffensive soll daher die gesamte berufliche Laufbahn abdecken, um die Position Österreichs in der globalen Halbleiterindustrie langfristig zu behaupten.